Kati, Ole und der Wunderbalkon
Oder: Die Entdeckung der verborgenen Winzigkeiten
Inhalt
Kati und Ole retten einem alten Mann an einer roten Ampel das Leben, und beschließen von nun an, Retter zu werden.
Dafür gibt es allerlei:
Die Ameisen vom Hinterhof, die Lochkobolde in der Sockenschublade und die Erinnerungen der vergesslichen Frau Meier. Und schließlich den ganzen Wunderbalkon des alten Herrn Gustav.
Dabei geht natürlich so manches schief.
Letztlich soll Opa Gustav sogar für ihre Missgeschicke aus seiner Wohnung geworfen werden. Diesmal müssen Ole und Kati wirkliche Retter sein.
Ein Figurenabenteuer für „Alte“ und „Junge“, über das Zusammenleben der Generationen, das Innehalten und den seltenen Blick für die verrückten Winzigkeiten im Leben.
Techn. Details
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Idee u. Spiel: Christoph Buchfink |
Für Kinder von 5-11 Jahren und Erwachsene |
Gefördert durch: Stiftung Niedersachsen, Fonds Darstellende Künste e.V., Landschaftsverband Südniedersachsen LVS, sowie Stadt Göttingen und Landkreis Göttingen. Wir danken allen Förderern sehr!
Presse:
Die spinnen, die Erwachsenen!
Festival „Kindertheater International“ startet mit „Kati, Ole und der Wunderbalkon“
Dass die Erwachsenen oft seltsam sind, das weiß wohl jedes Kind. Was manchmal hinter ihren Merkwürdigkeiten steckt, zeigte das Göttinger Buchfink-Theater gestern mit „Kati, Ole und der Wunderbalkon“. Lebensnah und gefühlvoll eröffnete es in Bad Dürkheim die diesjährige Reihe „Kindertheater International“.
„Fremdsein, Anderssein, Freundschaft“, sind die Themen, zu denen die Veranstalter ihre jährliche Festival-Auswahl treffen. Das Buchfink-Theater greift sie unter dem Aspekt des Zusammenlebens der Generationen auf.
Ole und Kati, zwei aufgeweckte Kinder, haben es mit eigenartigen großen Leuten zu tun, von denen jeder eine andere Macke hat. Die Gestalten, die da als wunderliche Erwachsene auf der Bühne erscheinen, kommen dem Zuschauer recht bekannt vor: Verbiestert, verschroben, verfressen oder aber herrschsüchtig und aufbrausend all diese Tischfiguren sind bewusst als Typen gestaltet. Christoph Buchfink führt sie im offenen Spiel. Zugleich agiert er als Erzähler und Techniker. Figuren und Bühne hat er selbst entworfen und gebaut.
Im kombinierten Figuren- und Erzähltheater geht der Puppenspieler wohltuend sparsam mit Erläuterungen um und lässt seine wenigen begleitenden Sätze geschickt ins Spiel einfließen. Manchmal wird er sogar von einer Figur zurechtgewiesen, etwa von Ole, der ihn selbst als Bub verkörpert: „Aufpassen, wenn du die Geschichte erzählst!“ Kleine Pannen bleiben halt nicht aus, wenn ein Stück erst seine sechste Aufführung erlebt. Die Kinder im vollen Dürkheimer Haus, deren Alter von fünf bis elf Jahren breit gestreut ist, sind spürbar gebannt. Ausdrücklich richtet sich die Inszenierung auch an Erwachsene.
Mit Recht, hat sie doch Menschen jeden Alters etwas zu sagen. Christoph Buchfink fesselt sein Publikum mit ergreifenden Szenen, in denen es mucksmäuschenstill wird. Etwa wenn der alte Gustav den Kindern die Merkwürdigkeiten erwachsener Leute erklärt: „Die tragen alle eine Last.“ Da erscheint der rotgesichtige, immer ärgerliche Hausmeister plötzlich in anderem Licht. Oder Frau Meier, die ständig einen schweren Koffer mit sich trägt und Angst hat, dass jemand ihn anfasst. In solchen emotionalen Bühnenmomenten kommt eine weitere Dimension ins Spiel: Wenn Gustav auf seinem blumigen Wunderbalkon von Luftwirbeln und Blattgeistern erzählt, werden hübsche Gestalten an die Wand projiziert und rufen zauberhafte Wirkungen hervor. Oder die Löcher, die von Lochkobolden in Stoffe gefressen werden, erscheinen im Hintergrund als spielerische Muster. So wird der Untertitel „Die Entdeckung der verborgenen Winzigkeiten“ phantasievoll umgesetzt.
Natürlich ist auch Gustav ein wenig verschroben, aber gerade das lieben Ole und Kati an ihm. Und während der Figurenspieler vorführt, mit welchen gutgemeinten Aktionen die Kinder dem alten Mann helfen wollen, wird klar: Retter zu sein, ist gar nicht so einfach.
Spürbar ändern sich im Spielverlauf die Wahrnehmungen. Die verrückten Erwachsenen zeigen sich schließlich von einer unerwarteten Seite. Auf Gustavs Wunderbalkon, im geselligen Miteinander und bei Katis leckerem Kuchen weichen ihre verkrusteten Außenhüllen auf. Und schließlich lässt sich Frau Meier, die im Krieg alles verloren hat, von Gustav sogar den Koffer mit ihren alten Erinnerungen tragen. Ein schönes Bild dafür, wie viel Wunderbares zwischen Menschen passieren kann.
(Sigrid Ladwig, DIE RHEINPFALZ)
